…weil es ein Rhizom ist, eine unvorstellbare Globalität.

Traditionelle, mediale Kommunikation zeichnete sich zumeist durch eine ausgeprägte Eindimensionalität aus. Wahrgenommen durch einen solchen, kulturell erlernten, Filter müssen Kommunikation in und Verständnis von Social Media scheitern.

Urheber: Brian SolisStrukturierung von Wissen und Kommunikation:

Die klassische Ordnung, in der sich (zumindest) die westlichen Kulturen ihr Wissen organisieren ist die sogenannte Baumstruktur. Ausgehend von einem zentralen Stamm verästelt sich das Wissen immer weiter. Ebenso läuft die Organisation von (medialer) Kommunikation. Agenturen, Leitmedien, Kleinere Medien bis hin zu lokalsten Formen. Von dort wird die Kommunikation dann der Oralität übereignet. Erst hier ergibt sich die Möglichkeit zu direktem Feedback. Erst hier lassen sich schnelle Verknüpfungen bilden. Hier erst erscheint es so, dass Kommunikations-Ästchen sich überlagern und verwachsen.

Im Jahr 1977 veröffentlichten Deleuze und Guattari ihre Theorie postmoderner Wissensorganisation. Im sogenannten Rhizom. Eine Art unorganisiertes, ungeordnetes, chaotisches Netzwerk, in welchem sich zwar Orte klassischer Wissensorganisation befinden können, das sich aber vor allem dadurch auszeichnet, dass Verknüpfungen zwischen jedem Punkt innerhalb des Rhizoms/Netzwerks ziehen lassen.

Ein Rhizom ist also ein „vielwurzelig“ verflochtenes System, das nicht in Dichotomien aufgeht: „Ein Rhizom kann an jeder beliebigen Stelle gebrochen und zerstört werden, es wuchert entlang seiner eigenen oder anderen Linien weiter.“ (Quelle: Wikipedia)

Übersetzt und aus der reinen Wissensorganisation herausgenommen, bedeutet dies, dass jederzeit zwischen allen Orten eine Kommunikations-Verknüpfung entstehen und stattfinden kann. Das bedeutet für ein Rhizom, wie es das Netz darstellt, dass, vor allem in Zeiten von Social Media, Kommunikations-Dimensionen in eine Mehr-Dimensionalität wachsen. Für analog geprägte Menschen erscheint diese Form der Kommunikation oft unverständlich, schwer zu fassen und zu begreifen. Multitasking, Konzentrationsverlust, Gefahr der Ablenkung und und und…

… all diese Begriffe finden sich in der aktuellen Diskussion, sowohl im Netz, wie auch im Umfeld von Firmen, die sich Fragen, wie man mit Social Media umgehen soll.

Social Media ist Mist

Social Media, Web 2.0, User generated Content, virale Werbung – Was ist das? Leere Phrasen ohne konkrete Bedeutung.

Natürlich will ich die Bedeutung dieser Netz-Entwicklungen nicht schlecht-reden. Wichtig ist für Unternehmen aber vor allem, dass sie konkrete Lösungen besitzen, Ideen und Konzepte um sich in diesem Umfeld zu bewegen. Große Worte nützen nichts. Kleine, feine und intelligente Ideen und Lösungen hingegen können oftmals schon ausreichen. Je größer das Engagement im sozialen Netz wird, um so stringenter sollten diese Konzepte werden und wenn möglich auch um so innovativer.

“Ist die Nachricht wichtig, wird mich die Nachricht erreichen.”

Inzwischen ist in den USA Facebook der größere Contentlieferant als Google News. Zumindest für die großen Nachrichtenseiten. Freunde empfehlen Meldungen und stellen Links zur Verfügung. Zum einen besteht hier natürlich die Gefahr, dass der reine Mainstream als Buzz existiert und gefördert wird. Dennoch erreicht die sogenannte Netzgemeinde auch, dass ihre Themen zum Mainstream werden. Eine Diskussion um Zensur und Internetsperren, ein Video, bei Wikileaks veröffentlicht, etc.

Themen setzen, Inhalte dorthin bringen, wo sie den Nutzer erreichen und Wege finden, diese Nutzer und die Inhalte auch zu monetarisieren. Unternehmen müssen Geld verdienen können. Vielleicht sind hierfür intelligentere Geschäftsmodelle notwendig – einige Unternehmen erreichen jedoch schon heute mit kreativen Ideen eine große Nutzerschaft und schaffen es, diese in sozialen Netzen an sich zu binden.

Persönlichkeit und Glaubwürdigkeit

Niemand macht sich zum Fan, folgt auf Twitter oder in den entsprechenden Netzwerken, wenn er dem Produkt, der Firma, dem Blog und den Aussagen nicht glaubt. Wenn er weder eine emotionale, noch eine intellektuelle Beziehung herstellen kann, wird jeder Versuch derartiger Kommunikation scheitern. Ich muss halten was ich verspreche, sonst wird der Bumerang sehr schnell und extrem heftig zurück kommen. Der Streisand-Effekt sei hier als mahnendes Beispiel genannt. Auch eine Kommunikation, die erst in Krisenzeiten einsetzt ist natürlich falsch und verspätet. Ebenso eine Nicht-Kommunikation, wenn sie zuvor schon stattfand. Als Beispiel kann hier der Umgang mit den Flugausfällen durch den Piloten-Streik bei der Lufthansa gelten.

Frühzeitige Kommunikation, die auch in Rückkommunikation auf Kommentare bedeutet, ist essentiell. Kommunikation und Inhalte dorthin tragen, wo sich die Nutzerschaft befindet und dort ehrlich auftreten, durch Glaubwürdigkeit überzeugen.

Fazit

Reizworte wie Web 2.0 und Social Media sind sinnlos, wichtig und gewinnbringend können und intelligente und kreative Konzepte sein, wenn man sich als Unternehmen innerhalb des Netzes bewegen und positionieren will. Essentiell ist hierbei Glaubwürdigkeit.

Update:

“Glaserei”, das Blog der Stuttgarter Zeitung, zitiert aus dem Eröffnungsvortrag zu re:publica:

“An Stelle der Ordnung treten dynamische Wortwolken oder Konglomerate aus Online-Bekanntschaften. Das derzeitige Referenzsystem für computergestütztes Durcheinander ist Facebook. Ziel der Entwicklung ist es, die Unübersichtlichkeit zu universalisieren. Jeder soll alles von überall aus durcheinanderbringen können.

In Echtzeit.” (Quelle: Glaserei)

Update II:

Das “deutsche” Social Media Prisma gibt es in verschiedenen Größen hier zum runterladen.

 

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