Populistische Zahlenspiele

Politiker und Medien nutzen gern symbolische Zahlen um einen Standpunkt zu untermauern.

ISAF Einsatz in Afghanistan/Sabi der Sprengstoffhund // Urheber: Geo Swan (Lizenz: CC)

Jeder im Krieg getötete Mensch ist einer zu viel. Dennoch stellt sich die Frage, warum nach einem Angriff auf Bundeswehrsoldaten in Afghanistan populistische Politiker für einen Rückzug plädieren, bei der Veröffentlichung der Verkehrsstatistik jedoch nicht gegen das Autofahren votieren.

Die Friedensbewegung teilt mit den Angehörigen der Soldaten die Trauer um die drei Getöteten. Sie tut dies umso mehr, als der schreckliche Tod der jungen Menschen vermeidbar gewesen wäre. Die Bundesregierung und die Koalitionsfraktionen im Deutschen Bundestag tragen die Verantwortung für den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan – ob im Rahmen von ISAF oder von Enduring Freedom. Noch im März hat der Bundestag gegen den Rat zahlreicher humanitärer Organisationen und gegen den Protest der Friedensbewegung den Einsatz zusätzlicher Tornado-Flugzeuge beschlossen.
(Quelle: Pressemitteilung des Bundesausschusses Friedensratschlag vom 19 Mai 2007)

Obige PM soll als ein Beispiel dienen. Eines von vielen.

Aber nennen wir doch einmal Zahlen. Mir ist bewusst, dass kalte Zahlen nicht den emotionalen Zustand von Betroffenen erfassen können, auch nicht den emotionalen Zustand einer breiten Öffentlichkeit. Dennoch sind es einzig und allein Zahlen, die, werden sie gegenübergestellt, Verhältnisse klären können.

Im Verkehr Getötete:
2004    2005    2006    2007    2008

5.780    5.298    5.027    4.893    4.477

Im Durchschnitt dieser fünf Jahre starben also pro Jahr um und bei 5000 Menschen in Deutschland im Straßenverkehr. Seit Gründung der Bundeswehr im Jahr 1956 starben bislang 3100 Soldaten. Im Einsatz in Afghanistan 36 Soldaten.

Jeder im Einsatz getötete Soldat ist einer zu viel. Aber auch für jeden im Straßenverkehr getötete Menschen gilt diese Aussage. Jede populistische Aussage zu im Einsatz getöteten Soldaten, jede Forderung nach einem Abzug ist eine Entwürdigung, eine Instrumentalisierung der Opfer. Und eine Entwürdigung all der Opfer, die aufgrund einer fehlenden Lobby daher vergessen werden.

Weitere Einträge auf Schriftrolle: