Eine Frage der Energie

Im Atom-Streit mit dem Iran scheint bislang noch niemand die Frage aufgeworfen zu haben, wie es um die Energieversorgung des Landes bestellt ist.

Foto: Mostafa Saeednejad (Lizenz: cc-by)

Foto: Mostafa Saeednejad (Lizenz: cc-by)

Erst gestern wieder hat Mahmud Ahmadinedschad scheinbar eine neue Runde im Streit die atomare Versorgung des Iran eingeleitet. Er erklärte, dass sein Land bereit sei, die Urananreicherung außer Landes durchführen zu lassen. An eben diese Bedingung hatte die internationale Gemeinschaft weitere Schritte auf dem Weg zur (friedlichen) Atommacht Iran gestellt.

Unabhängig von der Frage, ob man dem Lieblingsfeindbild der westlichen Welt nun den Wunsch nach einer friedlichen Nutzung der Kernspaltung abnimmt, oder auch nicht, stellt sich meiner Meinung nach die berechtigte Frage, wie es um die Energieversorgung des Iran bestellt ist. Immerhin handelt es sich bei dem Land um den viertgrößten Erdölförderer. Atomkraft sollte da doch eigentlich nicht notwendig sein - jedoch seit 1959 angestrebt.

Dem Iran fehlt es jedoch an Raffinerien. Das bedeutet, dass zu wenig Rohöl in eine sinnvolle Form gebracht werden kann, um es für die Energieerzeugung (oder den Verkehr) zu nutzen. 2006 musste der Iran daher Benzin für vier Milliarden US-Dollar importieren. Damit ist das Land des schwarzen Goldes von Importen abhängig. In der Logik der Regierung würden Kernkraftwerke dieses Problem beseitigen. Außerdem ließe sich so weit mehr Öl exportieren, was der Staatskasse zugute käme.

Im Jahr 2005 hatte der Iran eine Kraftwerksleistung von 41 Tsd MW. Der Iran plant daher den Bau von etwa 20 Meilern zur Stromerzeugung. Zum Vergleich: In Deutschland produzieren 17 Atomkraftwerke insgesamt 21.300 Megawatt. Der Iran ist etwa fünf mal so groß wie die Bundesrepublik, jedoch sind ca. 53 Prozent des Landes wüste. Hier ließe sich auch durch regenerative Energiequellen eine ganze Menge Strom erzeugen. Doch scheinbar wird auch im Iran (übrigens von nahezu allen gesellschaftlichen Schichten und Gruppen) die Atomkraft befürwortet. Auch in vielen westlichen Ländern ist diese Tendenz zu erkennen.

Auch wenn man die Tatsache einbezieht, dass moderne Meiler mehr Energie erzeugen, einen höheren Effizienzgrad besitzen und sicherer sind, als einige der Kraftwerke, die in Deutschland stehen, frage ich mich doch, ob mit 20 Reaktoren das gewünschte Ziel erreichbar ist. Andererseits dürfte auch Mahmud Ahmadinedschad nicht auf eine einzige Energiequelle setzen, so dass in einem entsprechenden Energiemix eine Versorgung gesichert werden könnte.

Das beantwortet die Frage jedoch nicht, ob man der Führung des Iran den Wunsch nach friedlicher Nutzung der Atomkraft abkauft. Hier bleiben die Bedenken der westlichen Welt bestehen und berechtigt. Eine friedliche Nutzung sollte dem Iran nicht verwehrt bleiben, kann sich das Land mit entsprechender Energiesicherheit doch weiterentwickeln, hin zu einer industrialisierteren Gesellschaft.

Ob eine solche Entwicklung jedoch von den Industrienationen gewünscht wird, will ich nicht beurteilen.

Mr. Quick: Be first, but first be right

Die dpa besinnt sich auf die Grundtugend eines guten Journalisten. Richtigkeit geht vor Schnelligkeit.

Quelle: public domain (Logoverwendung beachten)

Quelle: public domain (Logoverwendung beachten)

Nach mehreren peinlichen Fehlern bei der Nachrichtenagentur “dpa” hat nun der neue Chefredakteur Wolfgang Büchner erklärt, dass die Presseagentur lieber zu spät mit einer Meldung um die Ecke kommen wolle, als eine falsche Meldung weiter zu verbreiten.

Diesen Ansatz kann man nicht hoch genug anrechnen. Denn den Krieg um die Geschwindigkeit kann eine Agentur in Zeiten von Twitter gar nicht mehr gewinnen. Will die dpa ihr Geschäftsmodell sichern, so bleiben nur zwei Optionen – und Geschwindigkeit gehört nur nachrangig dazu.

Erstens: Die journalistische Qualität muss stimmen. Der Kunde muss sich immer sicher sein können, dass die Recherche hinter der Meldung stimmt, die Quellen hinterfragt wurden und es sich bei der Meldung nicht nur um die Weitergabe einer PR-Nachricht handelt.Auch die Auswahlkriterien sollten nachvollziehbar sein.

Zweitens: Die Unabhängigkeit muss gewahrt sein. Dies ist bei der dpa (noch) keine Frage und die Aussagen Büchners lassen auch darauf schließen, dass sich hieran nichts ändern wird.

Jetzt erst kann Geschwindigkeit zum relevanten Faktor werden. Denn trotz aufwändiger Recherche und Prüfung darf die dpa hier natürlich nicht den Anschluss an ihre Konkurrenten verlieren. Doch auch hier besteht Hoffnung, dass weiterhin die “große alte Dame” ihren Kunden zeitnah die relevanten Meldungen servieren kann.

Würden andere Medien, sowohl in Deutschland, als auch im Rest der Welt, diesen Grundsätzen treu bleiben, Relevanz, Bewertung und Transparenz im Blick auf ihre Kunden (vulgo: Leser) beachten, es wäre sogar möglich, dass diese noch einen Sinn darin sähen für Content (ob Print oder Online) zu bezahlen. Berichten jedoch weiterhin die meisten ungefiltert, nur dem Verdikt der Schnelligkeit unterworfen, so sehe ich kaum eine Zukunft (und auch kaum eine Daseinsberechtigung) für die Dinosaurier der Medien.

Merkel steht das Wasser bis zum Hals

Das Bundeskanzleramt ist nicht ganz dicht. Bundeskanzlerin Merkel verlässt deswegen erstmal ihr Büro.

Foto: Manfred Brückels (Lizenz: CC SA)

Foto: Manfred Brückels (Lizenz: CC SA)

Auch wenn man der Meinung sein könnte, die Überschrift dieses Eintrags spielt auf die bundesdeutsche Politik an, so muss ich den geneigten Leser leider enttäuschen. Denn Frau Dr. Merkel leidet unter den Baumängeln, die sowohl das Kanzleramt, als auch andere Regierungsgebäude nur wenige Jahre nach der Fertigstellung plagen.

Experten hatten vor einiger Zeit Brandschutzmängel und undichte Wände im Bundeskanzleramt festgestellt. Das rund 250 Millionen Euro teure Gebäude ist erst 2001 fertig geworden, aber schon jetzt „voller Risse“, sagte ein ehemaliger Bauleiter dieser Zeitung. In der Tiefgarage tropfe es, die Betonwanne des gesamten Baus sei „allgemein in einem schlechten Zustand“. Auch Teppiche mussten, nachdem sie von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) erstmals vor neun Jahren offiziell betreten worden sind, ausgetauscht werden [...]. (Quelle: Berliner Tagesspiegel)

Trotz der Kosten, die durch die fälligen Sanierungsarbeiten auf den Steuerzahler zukommen, kann man der ganzen Geschichte doch einen humoresken Faktor nicht absprechen. So drückt der Zustand des Gebäudes perfekt die Situation in der bundesdeutschen Politik aus.

Das Gebäude wurde schnell errichtet, der Umzug von Bonn nach Berlin kam überraschen, sehr überraschend und alles musste schnell gehen. Eine saubere Bauabnahme fand offensichtlich nicht statt. Wie oft sind in den letzten Jahren Gesetze verabschiedet worden, die ebenso in Eile entstanden, nicht richtig durchgesehen wurden, nicht mit der Verfassung abgeglichen wurden und so schließlich nachgebessert werden mussten? Zu viele in meinen Augen. Sowohl bei der Bauaufsicht, als auch in der Gesetzgebung haben die Volksvertreter offensichtlich ihre Sorgfaltspflicht vergessen.

Ausbaden muss es wie immer die “Cash-Cow” der Nation. Der Steuerzahler.

Klientelpolitik gegen Google

Nach dem gekauften Gesetz für Hoteliers arbeitet die FDP mit medialer Macht an einem GEsetz zur Zerschlagung von Google. Auch das ist reine Klientelpolitik.

Screenshot: www.google.de

Screenshot: www.google.de

Das die FDP das Spiel mit den Medien beherrscht hat sie im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2009 bewiesen. (Neo-)Liberale Medien unterstützten (und tun dies offensichtlich noch immer) die Ideen der Gelben. Gerade weil es sich dabei auch um Politik für die Klientel der großen Verlage handelt, stehen diese mit ihren Produkten bereit gegen die “große Datenkrake” ins Feld zu ziehen. Auch wenn dies kein Bürger wünscht.

Die Volksvertreter machen ihrem Namen mal wieder alle Ehre:

Liberale Medien und FDP werfen sich die Bälle zu. Gesetze, die (außer von einigen Verlegern) von niemandem gefordert werden, sollen durch’s Parlament gejagt werden. Volksvertreter sollen zur Ausschaltung einer lästigen Konkurrenz missbraucht werden. (Quelle: MAGDA)

Im Justiz- und im Wirtschaftsministerium werden unterschiedliche Waffen im Kampf gegen Google entwickelt. Das “Leistungsschutzrecht für Presseverlage” (Justizministerium) und das Gesetz zur Entflechtung marktbeherrschender Unternehmen (Wirtschaftsministerium). Zwar ist letzteres rein vom Namen her keine schlechte Idee, könnten doch so Stromkonzerne, die Bahn und andere “Big Player” sich genötigt fühlen, kundenfreundlicher zu agieren, zu mehr Markt gezwungen werden oder ihnen gar die Zerschlagung drohen, sollten sie einen Markt einseitig beherrschen. Doch das Gesetzt dient nicht dem Bürger. Es dient einzig und allein gegen einen Feind, der sich durch absolute Benutzerfreundlichkeit und den Drang dem User immer das beste Ergebnis zu erzielen ein funktionierendes Geschäftsmodell entwickelt hat.

Nicht nur China zählt für Google zu den gefährdeten Märkten – auch in Deutschland droht Gefahr.

Es geht im Gesetz um nichts weniger, als die Zerschlagung des Unternehmens, auch wenn es sich nicht dem Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung schuldig gemacht hat. Schon ist geht die Klientel, die Verlagsbranche mit irrwitzigen Forderungen in Stellung:

Die deutschen Zeitungsverleger haben beim Kartellamt gegen den Suchmaschinengiganten Google Beschwerde eingereicht. Sie fordern für die Anzeige der Suchtreffer eine Bezahlung. (Quelle: zeit.de)

Nicht der Bürger, der einfache Benutzer der Suchmaschine fordern ein Gesetz, beispielsweise zum Thema Datenschutz. Immerhin ist es nicht einfach zu kontrollieren, was das Unternehmen mit und aus seine persönlichen Vorlieben, Daten und Suchen so alles macht. Hier könnte ein Gesetz sinnvoll ansetzen.

Nein, die Verlage wollen dafür bezahlt werden, dass sie in den Suchergebnissen gelistet werden. Damit beweisen sie wieder einmal, dass sie das Internet nicht verstehen und beweisen zugleich, dass es ihnen einzig um Geld geht. Um die Sicherung ihrer Einnahmen.

Oder aber, sie verstehen das Netz inzwischen es sehr gut, tun aber so als ob nicht, um wünschenswerte Gesetze zu befördern. Immerhin ist es für jeden im Internet extrem einfach, nicht in den Suchergebnissen gelistet zu werden. Doch wer nicht gefunden wird, wird auch nicht besucht. Wer von Werbung auf den eigenen Seiten lebt, sollte also tunlichst alles versuchen, möglichst weit oben in den Ergebnissen von Google zu erscheinen. Nicht umsonst bezahlen jene, die am Lautesten schreien sehr viel Geld für die Optimierung ihrer Online-Auftritte im Hinblick auf Google.

Hier geht es also um Geld und die FDP ist ein willfähriger Helfer. Die Verlage erkennen, dass das Internet ihr klassisches Geschäftsmodell gefährdet. Die Freiheitlichen springen bei gegen die digitale Achse des Bösen.  Anstatt dass sich Wirtschaftsunternehmen an einen veränderten Markt anpassen versuchen sie die Kosten zu sozialisieren. Der Steuerzahler soll als finanzieller Blutspender die Verlagshäuser retten. Und nebenbei kann man auch noch lästige Konkurrenz ausschalten.

So sagt man bei der FDP also “Danke” für kostenlose Wahlkampfhilfe von “Zeit”, “Spiegel” und Co.

2009 – Ein kurzer Rückblick

Mit dem ersten Jahrzehnt des zweiten Jahrtausends geht es zu Ende. So auch weltweit mit den Bürgerrechten.

Feuerwerk in Bratislava // Foto: public domain

Feuerwerk in Bratislava // Foto: public domain

Es waren die Jahre nach dem “Schock” von 911. Die Bilateralen Blöcke sind (bislang) verschwunden, die Bedrohung der westlichen Welt durch den Kommunismus dahin. Und doch scheint die Sicherheit der fragilen Demokratie gefährdet. Die Politik versucht den Menschen nicht erst seit jenem Tag im September 2001 einzureden, dass der Staat mehr Wissen, mehr Macht und mehr Kontrolle benötigt, um die Sicherheit seiner Bürger zu gewährleisten.

Doch spätestens in Folge der Ereignisse im September 2001 wurden diese Forderungen verstärkt durchgesetzt. Der Sicherheitsrelevante Gewinn erscheint hierbei jedoch fraglich. Das Problem in meinen Augen ist jedoch nicht das eigentliche Einschränken der Bürgerrechte, das Aushöhlen des Datenschutzes und die Suspendierung der Unschuldsvermutung unter dem Deckmäntelchen des Schutzes von Bürger und Demokratie.

Das eigentliche Problem sind vielmehr zwei Probleme:

Zum einen das nahezu stillschweigende Erdulden jeglicher Maßnahmen durch die Bürger – vermutlich und vor allem auch deshalb, weil der durchschnittliche Bürger ebenso wenig Ahnung von den digitalen Medien hat, wie diejenigen Politiker, die derartige Gesetze verabschieden.

Zum anderen jedoch auch die fälschliche Einstellung der Medien, der Bürger und auch der Politiker die Welt immer rückwärts zu erklären. Zufällige, unberechenbare, schwerwiegende Ereignisse, die nicht kalkulierbar sind (und vor denen sich die Welt auch nicht wirklich zu schützen vermag) werden rückwirkend rationalisiert und dazu genutzt, um “Schutzmaßnahmen” zu rechtfertigen, mit denen ein derartiges Ereignis hätte verhindert werden können.

Menschen tun sich im Allgemeinen schwer mit Wahrscheinlichkeiten und der “Berechnung” der Chance, dass derartige Ereignisse eintreten. Die mediale Dominanz derartiger Großereignisse lässt sie übermenschlich erscheinen – zum Nutzen derjenigen Politiker, die der Wählerschaft nicht vertrauen.

Ein so genannter “Black Swan” lässt sich nicht verhindern. Vielmehr sollten die Menschen lernen eine Welt zu erschaffen, in der derartige Ereignisse nicht die Empfindung der Bürger aus den Angeln heben.

Zusammengefasst:
Das zweite Problem der Menschen ist ihre Art Geschichte als kausale Folge zu missinterpretieren. Hätte ich Ereignis “A” verhindert, wäre Ereignis “B” nicht eingetreten. Die Welt wird als zwangsläufige Folge von Ereignissen wahrgenommen. Eine derartige Kausalität von Ereignissen gibt es jedoch nur in der Literatur.

„[Es] weist [alles] darauf hin, dass die treibende Kraft der narrativen Aktivität die Verwechslung von zeitlicher Folge und logischer Folgerung ist, das Nachfolgende in der Erzählung als verursacht von gelesen wird; die Erzählung wäre in diesem Fall die systematische Anwendung des in der Scholastik unter der Formel post hoc, ergo propter hoc angeprangerten logischen Irrtums[...].“ (Roland Barthes, “Das semiologische Abenteuer”)

Funktioniert auch die Wahrnehmung der Welt in den meisten Fällen nach dieser fälschlich angewandten Formel, so läuft die Welt jedoch an unserer Wahrnehmung vorbei viel chaotischer, ungeordnet und zufällig ab.

In diesem Sinne bleibt die Hoffnung, dass im kommenden Jahrzehnt ein anderer Wind herrscht und der Bürger wieder zum mündigen Subjekt einer Staatsform wird, die ihren Souverän zu lange entmündigt hat. Die Forderung geht hierbei an die Menschen, die sich informieren sollten. Und sie geht an Medien, die ihren Auftrag als Anwalt der Bürger vernachlässigt haben.

Roland Barthes, Das semiologische Abenteuer, S. 113.

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